Der Propheten-Raum
Khalils geliehene Stimme
Lies langsam. Du musst nichts mit dem Schmerz tun. Er sitzt nur da.
Khalil leiht dem Schmerz eine Stimme. Vielleicht kommt er heute nicht als Feind, sondern als die Schale, die bricht, damit etwas reifen kann.
Schmerz ist zu Gast
Dein Schmerz ist das Brechen der Schale, die Dein Verstehen umschließt.
So wie der Kern der Frucht brechen muss, damit sein Herz in der Sonne stehen kann, so musst auch Du den Schmerz kennen.
Und könntest Du Dein Herz im Staunen halten über die täglichen Wunder Deines Lebens, würde Dein Schmerz Dir nicht weniger wunderbar erscheinen als Deine Freude.
Und Du würdest die Jahreszeiten Deines Herzens annehmen, so wie Du immer die Jahreszeiten angenommen hast, die über Deine Felder ziehen.
Und Du würdest mit Gelassenheit durch die Winter Deiner Trauer wachen.
Viel von Deinem Schmerz ist selbst gewählt. Er ist der bittere Trank, mit dem der Arzt in Dir Dein krankes Selbst heilt.
Darum vertraue dem Arzt und trinke seine Medizin in Stille und Gelassenheit. Denn seine Hand, obwohl schwer und hart, wird geführt von der zarten Hand des Unsichtbaren. Und der Becher, den er bringt, obwohl er Deine Lippen brennt, wurde geformt aus dem Ton, den der Töpfer mit seinen eigenen heiligen Tränen befeuchtet hat.
— Nachdichtung nach Kahlil Gibran
Englisches Original anzeigen · On Pain
Your pain is the breaking of the shell that encloses your understanding.
Even as the stone of the fruit must break, that its heart may stand in the sun, so must you know pain.
And could you keep your heart in wonder at the daily miracles of your life, your pain would not seem less wondrous than your joy;
And you would accept the seasons of your heart, even as you have always accepted the seasons that pass over your fields.
And you would watch with serenity through the winters of your grief.
Much of your pain is self-chosen.
It is the bitter potion by which the physician within you heals your sick self.
Therefore trust the physician, and drink his remedy in silence and tranquillity: For his hand, though heavy and hard, is guided by the tender hand of the Unseen, And the cup he brings, though it burn your lips, has been fashioned of the clay which the Potter has moistened with His own sacred tears.
And a man said, Speak to us of
— Kahlil Gibran, The Prophet (1923) · Public Domain
Stille Beobachtungen
- – Welcher Schmerz ist gerade da?
- – Was bricht gerade auf?
- – Was will reifen?
- – Was braucht keinen Trost, sondern nur Raum?
Diese Begegnung muss nichts hervorbringen.
Du darfst weitergehen, ohne etwas mitzunehmen.
Wenn Du möchtest, schreibe dem Schmerz, Khalil oder dem Buch einen stillen Brief.