Der Propheten-Raum
Khalils geliehene Stimme
Lies nicht, um Dich zu enthüllen. Lies, als fragten Dich die Kleider, was unter dem liegt, was Du zeigst.
Khalil leiht den Kleidern eine Stimme. Vielleicht fragen sie heute nicht nach Mode, sondern danach, wo Verhüllung Scham ist und wo Würde.
Kleider sind zu Gast
Eure Kleider verbergen viel von eurer Schönheit, doch sie verstecken nicht das Unhübsche.
Und obwohl ihr in Gewändern die Freiheit der Verborgenheit sucht, findet ihr in ihnen vielleicht ein Geschirr und eine Kette.
Könntet ihr der Sonne und dem Wind begegnen mit mehr Haut und weniger Stoff. Denn der Atem des Lebens ist im Sonnenlicht und die Hand des Lebens ist im Wind.
Manche von euch sagen: Es war der Nordwind, der die Kleider webte, die wir tragen. Und ich sage: Ja, es war der Nordwind. Doch Scham war sein Webstuhl und das Erweichen der Sehnen sein Faden.
Und als sein Werk getan war, lachte er im Wald.
Vergesst nicht, dass Bescheidenheit ein Schild ist gegen das Auge des Unreinen. Und wenn der Unreine nicht mehr ist, was wäre Bescheidenheit anderes als eine Fessel und eine Trübung des Geistes?
Und vergesst nicht: Die Erde liebt es, eure nackten Füße zu spüren, und die Winde sehnen sich danach, mit eurem Haar zu spielen.
— Nachdichtung nach Kahlil Gibran
Englisches Original anzeigen · On Clothes
Your clothes conceal much of your beauty, yet they hide not the unbeautiful.
And though you seek in garments the freedom of privacy you may find in them a harness and a chain.
Would that you could meet the sun and the wind with more of your skin and less of your raiment,
For the breath of life is in the sunlight and the hand of life is in the wind.
Some of you say, “It is the north wind who has woven the clothes we wear.”
And I say, Ay, it was the north wind,
But shame was his loom, and the softening of the sinews was his thread.
And when his work was done he laughed in the forest.
Forget not that modesty is for a shield against the eye of the unclean.
And when the unclean shall be no more, what were modesty but a fetter and a fouling of the mind?
And forget not that the earth delights to feel your bare feet and the winds long to play with your hair.
And a merchant said, Speak to us of
— Kahlil Gibran, The Prophet (1923) · Public Domain
Stille Beobachtungen
- – Was zeige ich der Welt?
- – Was verberge ich, ohne es zu müssen?
- – Wo ist meine Hülle Schutz?
- – Wo ist sie Maske?
Diese Begegnung muss nichts hervorbringen.
Du darfst weitergehen, ohne etwas mitzunehmen.
Wenn Du möchtest, schreibe den Kleidern, Khalil oder dem Buch einen Dankesbrief.