Der Propheten-Raum

Khalils geliehene Stimme

Lies nicht als Elternteil. Lies als jemand, der selbst einmal durch jemanden kam.

Khalil leiht den Kindern eine Stimme. Vielleicht sprechen sie heute nicht von Erziehung, sondern von dem, was durch uns hindurchwill, ohne uns zu gehören.

Kinder sind zu Gast

Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.

Sie kommen durch euch, doch nicht von euch. Und obwohl sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken. Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Zuhause geben, doch nicht ihren Seelen. Denn ihre Seelen wohnen im Haus von Morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr mögt euch bemühen, ihnen zu gleichen, doch versucht nicht, sie euch gleich zu machen. Denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nicht beim Gestern.

Ihr seid die Bögen, von denen eure Kinder als lebendige Pfeile ausgesandt werden.

Der Bogenschütze sieht das Ziel auf dem Pfad des Unendlichen. Er spannt euch mit seiner Kraft, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Lasst euer Gebogensein in der Hand des Schützen zur Freude sein. Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der standhält.

— Nachdichtung nach Kahlil Gibran

Englisches Original anzeigen · On Children

Your children are not your children.

They are the sons and daughters of Life’s longing for itself.

They come through you but not from you,

And though they are with you yet they belong not to you.

You may give them your love but not your thoughts,

For they have their own thoughts.

You may house their bodies but not their souls,

For their souls dwell in the house of tomorrow, which you cannot visit, not even in your dreams.

You may strive to be like them, but seek not to make them like you.

For life goes not backward nor tarries with yesterday.

You are the bows from which your children as living arrows are sent forth.

The archer sees the mark upon the path of the infinite, and He bends you with His might that His arrows may go swift and far.

Let your bending in the Archer’s hand be for gladness;

For even as he loves the arrow that flies, so He loves also the bow that is stable.

Then said a rich man, Speak to us of

— Kahlil Gibran, The Prophet (1923) · Public Domain

Stille Beobachtungen

Diese Begegnung muss nichts hervorbringen.
Du darfst weitergehen, ohne etwas mitzunehmen.

Wenn Du möchtest, schreibe den Kindern, Khalil oder dem Buch einen Dankesbrief.

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