Der Propheten-Raum

Khalils geliehene Stimme

Lies nicht, um gesünder zu leben. Lies, als brächte Dir jemand eine Schale und fragte, wie Du empfängst.

Khalil leiht dem Essen und Trinken eine Stimme. Vielleicht sprechen sie heute nicht von Nahrung, sondern davon, wie Du die Erde in Dir aufnimmst.

Essen und Trinken sind zu Gast

Könntet ihr vom Duft der Erde leben und wie eine Luftpflanze vom Licht genährt werden.

Doch da ihr töten müsst, um zu essen, und dem Neugeborenen die Milch seiner Mutter rauben, um euren Durst zu stillen, so lasst es ein Akt der Achtung sein.

Und lasst euren Tisch ein Altar sein, auf dem das Reine und Unschuldige aus Wald und Ebene dargebracht wird für das, was reiner und noch unschuldiger ist im Menschen.

Wenn Du ein Tier tötest, sprich in Deinem Herzen zu ihm: Durch dieselbe Kraft, die Dich fällt, werde auch ich gefällt. Auch ich werde verzehrt werden. Denn das Gesetz, das Dich in meine Hand gab, wird mich in eine mächtigere Hand geben. Dein Blut und mein Blut ist nichts als der Saft, der den Baum des Himmels nährt.

Und wenn Du einen Apfel mit Deinen Zähnen zerdrückst, sprich in Deinem Herzen zu ihm: Deine Samen werden in meinem Körper leben. Die Knospen Deines Morgens werden in meinem Herzen blühen. Dein Duft wird mein Atem sein. Und gemeinsam werden wir uns freuen durch alle Jahreszeiten.

Und im Herbst, wenn Du die Trauben Deiner Weinberge für die Kelter sammelst, sprich in Deinem Herzen: Auch ich bin ein Weinberg, und meine Frucht wird geerntet werden für die Kelter. Und wie neuer Wein werde ich aufbewahrt in ewigen Gefäßen.

Und im Winter, wenn Du den Wein einschenkst, lass in Deinem Herzen ein Lied sein für jeden Becher. Und lass im Lied eine Erinnerung sein an die Herbsttage, an den Weinberg und an die Kelter.

— Nachdichtung nach Kahlil Gibran

Englisches Original anzeigen · On Eating and Drinking

Would that you could live on the fragrance of the earth, and like an air plant be sustained by the light.

But since you must kill to eat, and rob the newly born of its mother’s milk to quench your thirst, let it then be an act of worship,

And let your board stand an altar on which the pure and the innocent of forest and plain are sacrificed for that which is purer and still more innocent in man.

When you kill a beast say to him in your heart,

“By the same power that slays you, I too am slain; and I too shall be consumed.

For the law that delivered you into my hand shall deliver me into a mightier hand.

Your blood and my blood is naught but the sap that feeds the tree of heaven.”

And when you crush an apple with your teeth, say to it in your heart,

“Your seeds shall live in my body,

And the buds of your tomorrow shall blossom in my heart,

And your fragrance shall be my breath, And together we shall rejoice through all the seasons.”

And in the autumn, when you gather the grapes of your vineyards for the winepress, say in your heart,

“I too am a vineyard, and my fruit shall be gathered for the winepress,

And like new wine I shall be kept in eternal vessels.”

And in winter, when you draw the wine, let there be in your heart a song for each cup;

And let there be in the song a remembrance for the autumn days, and for the vineyard, and for the winepress.

Then a ploughman said, Speak

— Kahlil Gibran, The Prophet (1923) · Public Domain

Stille Beobachtungen

Diese Begegnung muss nichts hervorbringen.
Du darfst weitergehen, ohne etwas mitzunehmen.

Wenn Du möchtest, schreibe dem Essen und Trinken, Khalil oder dem Buch einen Dankesbrief.

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